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Mammuts über Wien

Nachdem ich in den letzten Jahren an mehreren Wanderveranstaltungen über 50 und über 100 Kilometer teilgenommen hatte, machte ich heuer einmal zur Abwechslung den Begleiter/Betreuer/Motivator für eine Einsteigerin in diesen durchaus feinen Sport. So kam es, dass wir uns beim "Mammutmarsch" in Wien über die 30-Kilometer-Distanz anmeldeten. Man fängt ja am besten klein an. Steigern kann man sich immer noch. Wer sich informieren möchte, wie ich einige Jahre zuvor den 100-Kilometer-Mammutmarsch erlebt habe, der findet hier einen Bericht dazu.

Bei strahlendem Wetter ging es (unter anderem) die Donau entlang.
Bei strahlendem Wetter ging es (unter anderem) die Donau entlang.

Gestartet wurde vom Sportbad des ASV Wien, wo (wie immer bei solchen Veranstaltungen) ein großzügiges Start-/Zielgelände errichtet worden war. Meine Begleiterin und ich waren öffentlich angereist, hatten uns aber ein wenig mit der Zeit verschätzt und so unseren eigentlich eingeplanten Zeitpolster verspielt. Ergo kamen wir gerade noch pünktlich genug, um einzuchecken, unsere Teilnehmer-Shirts abzuholen und in den Startbereich zu gehen. Augenblicke später durfte unsere Startgruppe losmarschieren und wir fanden uns tatsächlich  in einer regelrechten Mammutherde wieder. Allerdings einer Herde, die sich nur teilweise mit unserer gewohnten Gehgeschwindigkeit bewegte. Somit wechselten wir kurzerhand die Straßenseite und wanderten ein wenig flotter weiter. Das war deutlich angenehmer. Durch den Donaupark, über die Donauinsel und letztlich am südlichen Donauufer marschierten wir etwa sieben Kilometer zum ersten Verpflegspunkt. Dort gönnten wir uns ein paar Kalorien (siehe Bild) und machten uns nach lediglich kurzem Aufenthalt schnell wieder auf den Weg. Eine große Pause brauchten wir nach einer so kurzen Distanz und unter den gegebenen Bedingungen ja nicht unbedingt.

Weiter ging es bis zum Kahlenbergerdorf, wo bereits der Aufstieg auf den Leopoldsberg auf uns wartete. Dafür nahmen wir - und alle anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer - den "Nasenweg" unter die Wanderschuhsohlen. Dieser alte Jagdsteig überwindet auf einer Länge von rund eineinhalb Kilometern etwa 250 Höhenmeter. Dabei muss man zwölf Kehren und zusätzlich zum durchwegs asphaltierten Weg 310 Stufen überwinden. Für manche Teilnehmerinnen und Teilnehmer war das bereits eine gar nicht so kleine Herausforderung, wie man beim Vorbeigehen am stoßweisen Atem und den purpurroten Gesichtern erkennen konnte. In den seltensten Fällen dürfte der Grund hierfür pure Leidenschaft gewesen sein. Wahrscheinlich lag es doch eher daran, dass nicht wenige unserer Mitmammuts sonst eher flachere Weidegebiete bevorzugten.

Egal, nach nicht allzu langer Zeit waren wir an der Burg Leopoldsberg angekommen, von der aus sich ein wunderschöner Blick über das spätsommerliche Wiener Becken bot (siehe Bild).

"What goes up must come down", heißt es in einem alten Song. Eine Weisheit, die nicht von der Hand zu weisen ist. Deshalb folgte auf den Nasenweg auch ein deutlicher Abstieg - zur Abwechslung großteils auf Naturwegen. Das war eine willkommene Abwechslung, verlief die Route des Mammutmarschs doch sonst fast ausschließlich auf Asphalt, ein Umstand, der mir allerdings aufgrund meines extrem gut gedämpften Schuhwerks nichts ausmachte. Altgediente Leserinnen und Leser dieser Website wissen es: Längere Strecken gehe ich zur Zeit ausschließlich in den "Cloudrock Waterproof" des Sportschuhherstellers "On". Und nein, das ist keine bezahlte Werbung. Ich finde die Schuhe wirklich sehr, sehr gut. Zumindest für meine Füße und Anforderungen.

Der Vorhof des Stifts Klosterneuburg als pittoreske Kulisse für einen der Verpflegspunkte.
Der Vorhof des Stifts Klosterneuburg als pittoreske Kulisse für einen der Verpflegspunkte.

Bald darauf gelangten wir an den zweiten Verpflegspunkt, der beim Stift Klosterneuburg errichtet worden war. Die endlos lange Schlange vor der Essensausgabe ignorierten wir geflissentlich, holten uns einige Corny-Riegel, streckten im Gras kurz die Beine aus, tranken ein wenig Wasser, benutzten die Toiletten und machten uns wieder auf den Weg.

Erneut ging es nun durch bebautes Gebiet steil bergauf. Der Kahlenberg wollte überwunden werden. Nun, das konnte er haben. Kaum hatten wir den Asphaltdschungel der villenverseuchten Ausläufer Klosterneuburgs hinter uns gelassen, gelangten wir auf (zur Abwechslung unversiegelten) Wanderwegen zu einem Schild, das uns unmissverständlich klar machte, dass wir uns hiermit bereits seit einigen Kilometern auf dem Rückweg befanden.

Ein paar Schritte noch bergauf und an einem Bogenparcours vorbei, schon hatten wir die Kuppe überwunden und waren durch das Gelände eines in den Bäumen installierten Hochseilgartens wieder auf dem Weg nach unten.
Der folgende idyllische Waldweg verlangte meiner Wanderkomplizin allerdings einiges ab: Ihr rechtes Knie vertrug das Bergabgehen so schlecht, dass sie immer wieder eine Pause brauchte, einen Ast zum Wanderstock umfunktionierte oder sich auf mich stützen musste. Erst in den Weingärten oberhalb Nussdorfs bekam sie das Problem in den Griff, indem sie die Beinmuskulatur bewusst anspannte und so das Knie stabilisierte.

In der Ebene angekommen, setzte sie wieder flüssig einen Fuß vor den anderen und so kamen wir ohne nennenswerte Zwischenfälle an der Donau entlang zurück zum Start, der mittlerweile zum Zielgelände umfunktioniert worden war. Wie alle Finisher wurden wir mit Ratschen und Jubel begrüßt, nahmen unsere Medaillen in Empfang, tranken einen Abschlussradler, kauften uns zwei Mammutmarsch-Tassen zur Erinnerung und machten uns hurtigen Schritts auf den Weg zur etwas mehr als einen Kilometer entfernten U-Bahn-Station. Immerhin freuten wir uns schon auf eine kalorienreiche Belohnung in unserem Lieblingseissalon am Heimweg und die anschließende Dusche.
Verdient hatten wir uns beides. Immerhin waren wir sieben Stunden lang spazieren gegangen. Danke an die Organisatoren, allein hätten wir an diesem Tag wohl weniger Kilometer gemacht.