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Alles neu macht der... Februar

Beinahe frühlingshaft muten die Temperaturen am heutigen Mittwoch an. Die Sonne lacht von einem nahezu wolkenlosen Himmel und die Temperatur klettert auf angenehme neun Grad plus. Veronika, der Lenz ist da. Oder so.

Dass allein das schon eine Menge Lebensgeister weckt, die in den vergangenen Wintermonaten den Schlaf des Gerechten geschlafen haben, ist nachvollziehbar. Zu diesem Thema habe ich auch schon immer wieder einmal geschrieben.

Zusätzlich dazu sind auch gerade Semesterferien und ich habe das Privileg, mir meinen Tag verhältnismäßig frei einteilen zu können. Eine wirklich feine Sache.

Ich beschließe also, mit einem gemütlichen Frühstück in den Tag zu starten. Nebenher informiere ich mich im Internet über die aktuellen Skimodelle, die für mein Leistungsniveau passend sind, werde fündig und bestelle mir im Sportfachgeschäft meines Vertrauens ein vielversprechendes Paar einer Skimarke, die ich lange nicht mehr gefahren bin. Immerhin habe ich ja noch eine Woche auf den Brettln, die die Welt bedeuten, vor mir. Die Vorfreude steigt.

Ein paar Handgriffe im Haushalt, dann hat sich das Frühstück so weit gesetzt, dass ich es wage, mich auf den Weg ins Fitnesscenter zu machen. Nach wie vor lacht die Sonne breit von einem blauen Vormittagshimmel. Life is good, wie einer meiner Freunde so gerne sagt.

Das Besondere an jenem Training ist allerdings nicht (nur) das außergewöhnlich frühlingshafte Wetter, sondern vor allem die Uhrzeit: Üblicherweise fallen meine Krafttrainingseinheiten auf den frühen Nachmittag. Erstens ist da in der Kraftkammer am wenigsten los und zweitens ergibt es sich durch den Rückweg von der Schule nach Hause einfach ideal. Nicht so heute. Ich bin deutlich früher dran, denn um etwa elf Uhr Vormittag betrete ich an diesem Tag bereits das Gym. Meine Stimmung ist nicht besser und nicht schlechter als sonst. Subjektiv steht mir eine vollkommen unspektakuläre Trainingseinheit bevor. Schwere Grundübungen. (Wen interessiert, wie ich mein Krafttraining strukturiert habe, der findet hier mehr Information dazu.)

Los geht es mit den ersten Aufwärmsätzen, dazwischen wechsle ich ein paar Worte mit anderen Trainierenden. Der übliche Fitnesscentersmalltalk. Nichts Außergewöhnliches. Bis ich zu den ersten wirklichen Belastungssätzen komme: Mit dem geplanten Gewicht gelingen mir plötzlich gute zwei bis drei Wiederholungen mehr. Okay. Weitere Hantelscheiben werden aufgeladen. Hoppala. Da geht deutlich mehr Gewicht als sonst. Auch die Konzentration auf jede einzelne Wiederholung fällt mir heute außergewöhnlich leicht. Die Gehirn-Muskel-Verbindung scheint besonders gut zu funktionieren. Was ist los?

Ich habe einige Vermutungen. Keine davon ist natürlich bestätigt, aber alle sind denkbar, denke ich nachdenklich.

 

1. Die unverschleiert scheinende Sonne hat meinem Körper noch vor dem Training einen kleinen Extrakick beschert. Ob dieser wirklich physisch oder "nur" psychisch begründet ist, sei dahingestellt. Auf alle Fälle bin ich an jenem Tag schon bestens gelaunt ins Fitnessstudio gefahren.

 

2. Der Abstand zwischen Frühstück und körperlicher Belastung ist (mit etwa 90 Minuten) vorteilhafter als sonst gewesen. Wenn ich nach der Schule trainiere, liegen meist mindestens vier Stunden zwischen letzter Energiezufuhr und Sport.

Ein Hinweis auf die Richtigkeit dieser Vermutung ist, dass meine Ärztin bei der Besprechung der Ergebnisse der letzten Vorbeugeuntersuchung das Vorhandensein von Ketonkörpern in meinem Blut erwähnt hat - ein typisches Anzeichen von (ziemlich heftigem) Hunger. Die Blutabnahme ist zuvor just zu jener Uhrzeit erfolgt, zu der ich sonst trainiere.

 

3. Der Zeitpunkt ist chronobiologisch günstiger gewählt gewesen. Immerhin bin ich ja darauf konditioniert, am Vormittag ein Höchstmaß an Konzentration abzurufen. Dass dies auch im Training von Vorteil ist, kann man kaum leugnen.

Das würde etwa die weiter oben erwähnte Gehirn-Muskel-Verbindung erklären.

Und die Moral von der Geschicht?

Für mich stellt sich die Frage, ob ein absichtliches zeitweises Durchbrechen des üblichen Tagesablaufs nicht leistungssteigernd wirken kann. Routine ist für das Dranbleiben, für das langfristige Durchführen eines Sportprogramms wichtig. Training muss ganz natürlich zum Leben gehören, in dieses integriert werden, seinen festen Platz haben.

Es jedoch hin und wieder zeitlich anders zu legen, könnte Vorteile haben.

Mal sehen, was die Sportwissenschaft dazu sagt. Es gibt garantiert bereits Studien dazu.

Ich werde mich zu dem Thema schlau machen.