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Ich lenke, also bin ich.

Wer meine Biografie kennt, weiß, dass ich in meinem Leben schon viel ausprobiert habe. Dem Abenteuer war ich noch nie ganz abgeneigt. Egal, ob das eine kindliche Schlauchbootexpedition auf der Donau von Tulln nach Wien war, die Erforschung sämtlicher dunkler Gewölbe unzähliger Ruinen in ganz Österreich, das Sammeln von Pilzen und Beeren in tschechoslowakischen Wäldern hinter dem Eisernen Vorhang, Hundeschlittentouren oder -rennen in den Alpen und durch andere naturbelassene Gegenden, Klettersteigbegehungen zu allen möglichen und unmöglichen Tageszeiten, spontane, durchaus extreme Fahrradtouren quer durchs Land, Märsche auf Zeit über hundert und mehr Kilometer und vieles andere verrückte Zeug.

Immer wieder wollte ich wissen, was ich mir zutrauen konnte, immer wieder ein wenig in Sichtweite meiner Grenzen kommen.

Ab und zu sogar in Reichweite.

Manchmal auch darüber.

 

Schon vor Jahren hatte ich - damals noch mit meiner seinerzeitigen Partnerin - den Entschluss gefällt, nach der Schlittenhundezeit aufs Motorrad umzusteigen und damit die Welt zu erkunden. Nun, die Hunde waren mittlerweile über die Regenbogenbrücke gegangen, die Partnerin nicht mehr meine, aber die Idee nach wie vor lebendig.
Darüber hinaus hatte mein alter Freund Mario mir bei einem gemütlichen Geplauder auf seiner Terrasse und während des darauffolgenden Tages so richtig Lust darauf gemacht, mich in den Motorradsattel zu schwingen und mit ihm gemeinsam und kleinem Gepäck auf die eine oder andere abenteuerliche Entdeckungsreise zu gehen.

Also wurde nicht lange gefackelt und der Motorradschein gemacht. Gut, das dauerte etwas länger als geplant, da sich ein Lockdown (inklusive Schließung der Fahrschulen) und ein Winter dazwischenschummelten. Doch im Frühsommer war es soweit - ich hatte die hochoffizielle Erlaubnis in der Tasche, mich einspurig und nach Belieben motorisiert auf den Straßen dieser Welt zu bewegen. Eine alte, aber gut erhaltene BMW wurde angeschafft und nach meinen Vorstellungen ausgestattet: Zuerst musste ein Topcase her, da ich meine Trainings- oder die Schulsachen nicht unbedingt auf dem Rücken transportieren wollte. Außerdem konnte ich darin den Helm oder die Handschuhe sicher deponieren, wenn ich nicht in der Nähe des Motorrads war. Darüber hinaus schaffte ich einen Tankrucksack an, in den Kleinigkeiten kamen, die ich immer wieder zur Hand haben wollte: Ersatzbrille, Sonnenbrille, Erste-Hilfe-Ausrüstung, Fahrzeugpapiere oder eine Kappe, um die pumucklähnliche Sturzhelmfrisur zu kaschieren. Ja, auch Männer können durchaus ein wenig eitel sein. Eine Handyhalterung durfte natürlich auch nicht fehlen. Außerdem kam ein neues Bordwerkzeug unter den Sitz. Für zukünftige Touren leistete ich mir geräumige Satteltaschen. Mein Wahlspruch "Face your fears, live your dreams!" zierte bald ebenfalls die Maschine und zu guter Letzt montierte ich noch einen höheren Windschild. Danke an dieser Stelle an meinen bikeerprobten Bruder für den Tipp bezüglich der Scheibe. Er hat sich bezahlt gemacht.

Dann ging es an die Befahrung all jener Straßen, die für den durchschnittlichen Autofahrer zu abgelegen, zu kurvenreich und generell zu mühsam sind. Schritt für Schritt machte ich mich auf die Reise zu entdecken, was eigentlich die Faszination Motorradfahren ausmacht. Fast täglich war ich auf zwei Rädern unterwegs, um jene Ecken meiner näheren und ferneren Umgebung zu erkunden, die mir bislang verborgen geblieben waren. Alle möglichen Wege wurden als Vorwand genutzt, auf dem Bike unterwegs zu sein: die Fahrt ins Fitnesscenter genauso wie der Weg in die Arbeit, der Besuch bei Freunden oder einfach das Stillen des Schokoladeneis-Gustos. Jede Ausfahrt brachte ein wenig mehr Sicherheit im Handling der 200 Kilo und 50 Pferdestärken unter meinem Hintern, auch wenn da nach wie vor natürlich noch unglaublich viel Luft nach oben ist, dessen bin ich mir durchaus bewusst. Als Biker lernt man logischerweise nie aus - und ich hatte ja gerade einmal angefangen, mich zögerlich und in teilweise richtig schlechter Spurlinie über die Waldviertler Landstraßen zu bewegen.

Trotzdem, ich konnte die Ausfahrten von Mal zu Mal mehr genießen, immer entspannter saß ich im Sattel der BMW.

Ich habe also gerade einmal die Nase in das Abenteuer Motorradfahren gesteckt. Aber ich bin mir sicher, ich werde in den kommenden Jahren deutlich tiefer eintauchen. Da will einiges entdeckt und ausprobiert werden.

Und immerhin stehen ja in der Nach-Corona-Ära mit Sicherheit einige Touren auf dem Programm, die mich in Ecken dieser Erde führen sollen, die ich bisher noch nicht kennengelernt habe.

Ich werde an dieser Stelle berichten.

Versprochen.

Get your motor running, wie die Kapelle "Steppenwolf" einst richtig bemerkt hat.

Und falls jemand fragt: Mario ist schuld.