Seien wir ehrlich: Der übliche Spaziergang stellt - sofern sie angeleint sind - für unsere Hunde meist nur eine müde und recht sinnleere Aktion dar, die maximal dazu dienen kann, Unterordnung zu trainieren. Viel zu unterschiedlich sind die typischen Gehgeschwindigkeiten von Zwei- und Vierbeinern. Wölfe legen laut Beobachtungen von Biologen auf ihren Beutestreifzügen bis zu 160 Kilometer am Tag zurück; im Spaziergänger-Schlendertempo wäre das eine absolute Unmöglichkeit. Selbst wenn wir von der halben Kilometerleistung ausgehen (weil wir ja „nur“ mit Hunden und nicht ihren wilden Vorfahren unterwegs sind), kommen wir immer noch auf die Länge eines kompletten Dogtrekkings, für das man meist über zwei Tage (üblicherweise 52 Stunden) Zeit hat. Selbst schnelles Marschieren ist also für den Großteil unserer Hunde nur eine eher zähe Form des Vorankommens. Erst, wenn wir Menschen uns locker laufend in Bewegung setzen, beginnt es für Hunde zu einer artgerechten Art der Fortbewegung zu werden - die aber, wenn wir nicht gerade sprinten, trotzdem noch genug Spielraum zum (zumindest oberflächlichen) Schnüffeln und Erkunden der Umgebung lässt. Dies soll nun kein Plädoyer für Dogtrekking als Langstreckenlauf sein, sondern nur deutlich machen, wie es um die Ressourcenverteilung im Team Mensch-Hund bestellt ist.

Viele andere Hundesportarten stellen eher für den Vierbeiner denn für den Zweibeiner eine körperliche Herausforderung dar. Beim Dogtrekking liegt der Sachverhalt in den meisten Fällen eindeutig umgekehrt.

So verschieden wie die Zugänge und Strategien beim Dogtrekking sind, so verschieden ist auch das aufzuwendende Training. Darüber hinaus ist auch hierbei der körperliche Status Quo des Sportlers zu beachten: Es hat wohl wenig Sinn, ohne gute konditionelle Basis ein intensives Lauftraining zu beginnen, weil man bei einem Hundert-Kilometer-Dogtrekking unbedingt unter die Top Ten kommen möchte.

 

Die körperliche Basis für das herkömmliche Wandern schafft man sich auch am besten durch langsames Steigern der Distanzen vom Spaziergang mit seinem Vierbeiner zur Mehrtagestour inklusive der dafür erforderlichen Ausrüstung (die auf diese Art und Weise gleich auf ihre Tauglichkeit getestet werden kann). Wer im Hinblick auf seine Gesundheit auf Nummer Sicher gehen möchte, der kann auch vor der Aufnahme regelmäßiger Wandertouren einen leistungsdiagnostischen Test beim Sportmediziner durchführen lassen. Das ist natürlich auch ganz besonders für denjenigen interessant, der nach einiger Zeit einen weiteren Test durchführen lassen möchte, um eventuelle Veränderungen diverser Parameter wie Laktatschwelle, Atemkapazität oder Körperfettanteil zu vergleichen.

 

Den wenigsten von uns wird es aber aufgrund sozialer und/oder beruflicher Umstände möglich sein, zwei- bis dreimal die Woche eine Tages- oder sogar Mehrtagestour mit dem Hund zu unternehmen. Das Training muss also in den meisten Fällen in den Alltag integrierbar sein, was kürzere Bewegungseinheiten bedingt. Die langen Trainingstouren über mindestens zwei Tage fallen so meist zwangsweise auf die Wochenenden. Die Möglichkeiten, sich trotzdem auf Dogtrekking-Veranstaltungen vorzubereiten sind vielschichtig, greifen aber reibungslos ineinander und bieten für Sportler ganz verschiedener Leistungsgrade trotzdem immer neue Reize und Herausforderungen:

 

Das Wandern selbst ist ja nichts anderes als ausdauerndes Gehen, für uns Menschen eigentlich die natürlichste Bewegungsform. Die meisten Anfänger werden damit sofort beginnen können, sollten jedoch auch hier zwei bis drei Stunden am Anfang nicht überschreiten, Pausen einplanen und zu Beginn eher flachere Gegenden für ihre Wanderungen aussuchen. Durch diese Maßnahmen ist zusätzlich auch sichergestellt, dass die Fähigkeiten des Hundes mit den von Mal zu Mal gesteigerten Anforderungen wachsen können (obwohl unsere Vierbeiner in diesem Bereich meistens einen enormen Leistungsvorsprung haben). Nicht vergessen sollte man allerdings auf die wirklich kontinuierliche (nicht sprunghafte) Steigerung der Trainingsreize: Von Woche zu Woche sollten die Touren ein wenig herausfordernder werden (zwei Kilometer länger, etwas hügeliger etc.).

 

Selbstverständlich werden durch das Wandern nicht nur die unmittelbar messbaren Leistungen erhöht, auch der Körper passt sich mehr und mehr an: Das dadurch erzielte Training der Bein- und Stützmuskulatur und die Verbesserung der allgemeinen Ausdauer haben durchwegs positive Auswirkungen. Auch die Koordination wird für gewöhnlich verbessert, besonders durch das Begehen nicht befestigter Wege, das man ganz bewusst einbauen sollte. Wurzeln oder Geröll können hierbei oftmals wirklich große Ansprüche an den Gleichgewichtssinn, die Kraft der Fußgelenke und die Stabilität von Bändern und Sehnen stellen – ganz besonders deshalb, da man ja zusätzlich zum eigenen Körpergewicht noch Extragewicht in Form von Gepäck mitträgt . Das Überwinden von Hindernissen wie umgestürzten Bäumen, Gräben oder Felsblöcken ist eine weitere Herausforderung, die gezielt - mit dem Hund an der Leine und dementsprechendem Gepäck auf dem Rücken - trainiert werden sollte. Durch regelmäßiges Wandern kann auch eine optimierte Arbeit des Herz-Kreislaufsystems herbeigeführt werden, ein nicht zu unterschätzender Aspekt in der Gesundheitsförderung, vor allem, wenn man bedenkt, dass Erkrankungen dieses Bereichs nach wie vor die häufigste "natürliche" Todesursache in den Industrieländern darstellen.

 

Mit einer Erhöhung der Kilometerleistung wird man unweigerlich auch auf eine Erhöhung der Marschgeschwindigkeit hinarbeiten müssen (außer man ist in der glücklichen Lage, sich im Anschluss an jedes Wochenende noch ein bis zwei Urlaubstage nehmen zu können). Diese gesteigerte Geschwindigkeit ergibt sich durch den besseren Trainingszustand und die durch Übung verbesserte - also effektiver funktionierende - Zusammenarbeit des Mensch-Hund-Teams einerseits von selbst, andererseits ist es auch sportlich gesehen reizvoll, sich an eine höhere Gehgeschwindigkeit zu gewöhnen. In dieser Trainingsphase kann man bereits ohne weiteres beginnen, an den ersten Dogtrekking-Rennen teilzunehmen, wobei das Ziel zu Beginn sicherlich das Finishen (das heißt das regelkonforme Beenden des Bewerbes) sein sollte.

Viele - auch sehr erfolgreiche und routinierte -  Dogtrekker  bleiben auf dieser Stufe der körperlichen Aufbauarbeit stehen und verfeinern nur mehr ihre Taktik im Zurücklegen der vorgegebenen Strecken bzw. im Überwinden diverser Hindernisse oder der Orientierung. Anderen erscheint es reizvoller, ihre Fitness so zu steigern, dass immer mehr und größere Teilstücke des Trails gelaufen werden. Hierbei orientiert man sich dann am besten an Trainingsplänen für Sportler wie Marathon- oder Ultramarathonläufer, was allerdings den Rahmen dieses Buches sprengen und ein wenig an seinem ursprünglichen Thema vorbeigehen würde. Weiterführende Informationen dazu finden sich aber in den, im Anhang aufgeführten, Büchern und auf den dort genannten Websites. Trotzdem noch einige Worte dazu:

 

Laufen mit dem Hund (auch Canicross genannt) bietet sich besonders bei Zeitmangel natürlich an. Ich muss allerdings dringend davor warnen, sich zu Beginn seiner sportlichen Karriere in diesem Bereich zu überschätzen: Besonders, wenn man etwas zu viel Gewicht auf die Waage bringt, kann ein plötzlich aufgenommenes - erfahrungsgemäß meist zu hoch dosiertes - Lauftraining zu chronischen Gelenksproblemen führen. Durch die Mitarbeit des Hundes ist man in Versuchung, schneller zu laufen und die Füße härter aufzusetzen, als Muskeln und Gelenke das ohne Schäden überstehen können. Mein Tipp lautet daher, eventuelles Übergewicht durch gelenkschonende Ausdauersportarten wie Radfahren oder Schwimmen in Kombination mit korrekt ausgeführtem Krafttraining (das ich ohnehin jedem Dogtrekker dringend ans Herz lege) sowie einer sportorientierten Ernährung zu reduzieren und erst in einem weiteren Schritt ins Lauftraining einzusteigen. Zu schnell verliert man durch lästige Kniebeschwerden oder sonstige Gelenks- bzw. Rückenprobleme die Freude an der Sportart, die einem eigentlich am meisten entsprochen hätte.

 

Abschließend noch ein paar Gedanken zum Lauftraining für Dogtrekker, welches ich durchaus empfehle, auch wenn man beim Dogtrekking selbst keinen einzigen Laufschritt machen möchte. Es schafft einfach eine glänzende konditionelle Basis für das Langstreckenwandern - sofern im Training nicht schon einiges falsch gemacht wurde:

Zu weit, zu schnell, zu häufig – das sind, kurz gesagt, die häufigsten Fehler beim Lauftraining, die dann auch oft - wie bereits erwähnt - zu Verletzungen führen. Man darf nicht vergessen, dass unsere Knochen, Sehnen und Bänder (im Gegensatz zu den Muskeln) mehrere Wochen Zeit benötigen, bis sie das regelmäßige Laufen aushalten können. Besonders als Anfänger kommt man in Versuchung, sich zu überschätzen und tappt in die Falle des Übertrainierens. Das ist dann der Fall, wenn Anstrengung und Erholung im falschen Verhältnis zueinander stehen. Die Leistungen stagnieren oder sinken sogar, man fühlt sich nicht hundertprozentig gesund, die Lust auf das Training schwindet. Alle diese Effekte kann man durch vernünftige Trainingsplanung vermeiden. Hier heißt es oft: Weniger ist mehr! Zu intensivem Training wird nachgesagt, Stimmungsschwankungen, Anfälligkeit für Infekte und eben Verletzungen zu verursachen. Untersuchungen haben gezeigt, dass das Immunsystem nach einem Marathonlauf noch tagelang beeinträchtigt sein kann - für ein Dogtrekking-Rennen (das bekannterweise meist über mehr als die doppelte Marathondistanz geht) kann man wohl Ähnliches annehmen.

 

Am besten hält man sein Training in einem Rahmen, der es stressfrei ermöglicht, regelmäßig zu trainieren. Ich persönlich habe gute Erfahrungen mit drei bis fünf verschieden langen wöchentlichen Laufeinheiten (immer mit Hundebegleitung) gemacht, es ist aber zu beachten, dass jeder Sportler gemäß seinen Zielen und seinen Freizeitmöglichkeiten trainieren muss. Zeitlich bin ich persönlich bestrebt, in Form einer Pyramide zu trainieren: Das Lauftraining steigert sich zur Wochenmitte hin (bezüglich der Länge und/oder der Geschwindigkeit) und fällt gegen das Wochenende hin wieder ab. Dies gewährleistet ein regelmäßiges Auf- und Ab der Trainingsreiz-Intensität, die damit für den Körper längerfristig produktiv bleibt; außerdem lässt diese  Einteilung genug Raum für Erholung (und damit für Superkompensation und weiteres Wachstum der körperlichen Fähigkeiten). Langfristig gesehen muss aber die härteste Trainingseinheit von Woche zu Woche minimal, aber konstant gesteigert werden, wenn man regelmäßige Zuwächse erzielen möchte. Sollte man allerdings ein Leistungsplateau erreichen, kann auch eine Trainingspause von mehreren Tagen durchaus produktiv sein. Bevor ich aber jetzt anfange, mich in trainingsbegleitende Maßnahmen wie Laktatspiegel-Tests und ähnliches zu verlieren, möchte ich wieder auf den Boden der Anwendbarkeit zurückkehren:

 

Ganz egal also, auf welcher Leistungsstufe man einsteigt und wie man seine Trainingsprioritäten setzt, wichtig ist, jede Aufbauarbeit (beim Wandern, beim Laufen oder aber auch beim Krafttraining) vorsichtig und in kleinen Schritten zu leisten, da es sonst sehr leicht zu Überforderung und chronischen Beschwerden kommen kann, was einem sehr bald die Freude am gemeinsamen Unterwegssein mit dem tierischen Trainingspartner wieder rauben und zusätzlich dazu die Vorzüge sportlicher Betätigung in ihr Gegenteil verkehren kann.

Und nicht vergessen: Der Hund braucht seine Bewegung, unabhängig von eigenen Befindlichkeiten – dies ist der beste (da uneigennützigste) Grund gesund und leistungsfähig zu bleiben!

Auf keinen Fall vergessen darf man im Zusammenhang mit diversen Anforderungen auch auf die psychischen Herausforderungen, die einem Dogtrekker im Laufe einer Veranstaltung begegnen.

Da die Streckenlängen absichtlich so gewählt sind, dass ein Dogtrekking sich deutlich von einer gemütlichen Wanderung unterscheidet, muss man als Teilnehmer damit rechnen, unter Umständen in körperliche Grenzbereiche vorzudringen (oder zumindest in Bereiche, die weit über das Hinausgehen, was man als bequem erachten würde). Immerhin sind die Organisatoren bestrebt, den Abenteuercharakter zu wahren – und Abenteuer in der Natur sind durchwegs körperlich fordernd.

Mit jeder besuchten Veranstaltung kann man allerdings die Reaktionen seiner Physis besser einschätzen, man kann Unannehmlichkeiten (z.B. der Blasenbildung) vorbeugen, die Ausrüstung optimieren und vieles mehr.

 

Was einem allerdings zu schaffen machen kann, sind Stimmungsschwankungen, die im Verlauf eines Dogtrekkings als Folge von Müdigkeit oder Schmerzen auftreten können.

Vor meiner ersten Rennteilnahme warnte mich mein bereits dogtrekkingerfahrener Freund Mario vor einem psychischen Tief, das ihm schon öfter bei einer gewissen Kilometeranzahl zu schaffen gemacht hatte. An dieser Stelle drängte sich ihm regelmäßig die Frage „Wieso mache ich das eigentlich?“ auf. Auch mir kam (und kommt) manchmal ähnliches in den Sinn, vor allem, wenn Wegverhältnisse oder Wetter nicht optimal sind – allerdings verschwinden diese Gedanken meist auch so plötzlich, wie sie gekommen sind. Für mich besteht die beste Taktik darin, einfach weiterzulaufen, mich auf die Umgebung zu konzentrieren oder mir ein bestimmtes, nicht allzu weit entferntes Zwischenziel, an dem eine kurze Pause eingelegt werden kann, vorzunehmen.

 

Manche Dogtrekker sind am liebsten allein mit ihrem Hund unterwegs, die meisten allerdings haben gerne Gesellschaft (auch wenn bei Dogtrekking-Rennen maximal zwei Mensch-Hund-Teams gemeinsam unterwegs sein dürfen). Man trifft sich auf der Strecke, man plaudert oder ge- bzw. missbraucht den anderen als Schrittmacher. Das kann durchaus helfen, Tiefs zu überwinden.

Besonders beim Laufen höre ich persönlich auch gerne Musik aus dem MP3-Player: Das hilft einem, einen gleichmäßigen Rhythmus zu halten, lenkt ab und macht (natürlich abhängig von der gehörten Musikrichtung) gute Stimmung.

 

Hierzu noch ein paar Gedanken: Bei einer so regelmäßigen Bewegung wie dem Wandern oder Laufen sollte darauf geachtet werden, wie viele Schritte man pro Minute zurücklegt. Diese Anzahl sollte mit den deutlich hörbaren Schlägen pro Minute der ausgewählten Musik übereinstimmen - damit immer ein Schritt auf einen Schlag kommt. 120 Schläge sind durchschnittliche Gehgeschwindigkeit, 130 bis 140 eine ideale Schlag- und damit Schrittanzahl beim Laufen. Die letztere kommt zum Beispiel bei vielen Rocksongs vor.  Die Musikauswahl sollte also dahingehend getroffen werden, dass man sich gerne und gut danach bewegt, ansonsten ist die genaue Stilrichtung jedem Dogtrekker überlassen – wie bereits erwähnt, dieser Sport bietet ausreichend Platz für Individualisten.