Ist man individuell mit seinem Hund unterwegs, muss die geplante Route gut vorbereitet werden, wenn man nicht den einen oder anderen sinnlosen Umweg nehmen möchte – und wer will das schon?

Nimmt man an einem organisierten Dogtrekking teil, orientiert man sich mit Hilfe einer Wegbeschreibung und einer Karte, die entweder vom Veranstalter gestellt wird oder vorab organisiert werden muss.

Wie man sieht: In beiden Fällen sind also Grundkenntnisse der Orientierung anhand einer Wanderkarte unabdingbar. Man muss kein Geometer sein, aber ein gewisses rudimentäres Wissen im Umgang mit Kartenmaterial sollte man sich aneignen, bevor es wirklich ernst mit dem Hobby Dogtrekking wird. GPS-Geräte sind auf privaten Touren sicher ein sinnvoller Teil der Ausrüstung, bei einem Dogtrekking-Rennen, bei dem man den Wegverlauf erst am Vorabend anhand einer Wegbeschreibung und einer Karte erfährt, sind sie aber meist nur für Notfälle nutzbar (außer man hat auch den Laptop mit Internetempfang bzw. der notwendigen Software dabei – aber irgendwie fühlt sich der Dogtrekkingpurist in mir bei diesem Gedanken gar nicht wohl).

 

Zwar möchte ich prinzipiell beim Kernthema – nämlich der (Wettkampf-)Sportart Dogtrekking -  bleiben, denke aber, dass es nicht schaden kann, trotzdem einige Worte zum Thema Orientierung bzw. Umgang mit Wanderkarten an sich zu verlieren. Häufig erhalte ich Zuschriften von Leuten, die mit dem Dogtrekking beginnen möchten und ihr Schreiben sinngemäß so beginnen: „Es würde mich sehr reizen, einmal bei einer Dogtrekking-Veranstaltung teilzunehmen, allerdings habe ich keine Erfahrung im Umgang mit Karte und Kompass …“

 

Diesem Manko möchte ich hier ein wenig gegensteuern. Für alle erfahrenen Outdoor-Sportler, die seit Jahren problemlos mit Karten arbeiten, wird dieses Kapitel nichts Neues bieten, für alle weniger routinierten Naturburschen und -mädels könnte im folgenden schon das eine oder andere nützliche Detail zu finden sein.

Karten sind (prinzipiell gesprochen) verkleinerte und vereinfachte  Abbildungen der Landschaft. Man kann auf ihnen - ein wenig Übung vorausgesetzt - die wichtigsten Eigenschaften des zu begehenden Geländes voraussehen. Beim Wandern verwendet man sogenannte "topographische Karten". Auf ihnen erkennt man neben dem Relief der Landschaft auch alle wichtigen Bauwerke, Wege etc. – diese sind aber vereinfacht als Kartenzeichen dargestellt, deren Bedeutung in der sogenannten „Legende“ (der Zeichenerklärung am Blattrand) nachgeschlagen werden kann. Mit der Zeit prägt man sich die gängigsten Kartenzeichen ohnehin ein, ein ständiges Nachsehen ist weder praktisch noch einfach (vor allem bei Regen, Wind, Dunkelheit oder unter Zeitdruck – beziehungsweise in beliebiger Kombination dieser Parameter).

Da es im verbauten wie im unverbauten Gebiet natürlich laufend Veränderungen gibt, empfehle ich, nur mit möglichst aktuellen Wanderkarten unterwegs zu sein, um diesbezüglich keine bösen Überraschungen (veränderte Wegverläufe, abgerissene Brücken usw.) zu erleben, das macht – je nach erreichtem Müdigkeitsgrad – oft nur geringe Freude.

 

Was ich hier vermitteln möchte, ist ein wenig (leider notwendige) Theorie. Ganz wichtig ist allerdings, diese auch in der Praxis auf kleineren Touren zu erproben! Bei einem zweitägigen Dogtrekking-Wettkampf in einem abgelegenen, vielleicht auch noch unübersichtlichen Gebiet und bei schlechtem Wetter sorgt das erstmalige Umsetzen der noch dünnen Theoriekenntnisse, die man sich zu Hause am Wohnzimmertisch angelesen hat, doch wohl für etwas Stress. Am meisten Spaß macht das Üben natürlich, wenn man wirklich mit der Karte in der Hand, ausgeruht, bei schönem Wetter und mit einem entspannten Hund in der Natur unterwegs ist. Es ist einfach interessant, wie die Wirklichkeit zu dem Bild aussieht, dass man sich zuvor beim Betrachten der Wanderkarte von einem gewissen Gebiet geschaffen hat. Darüber hinaus lernt man sehr schnell Distanzen und Größenverhältnisse korrekt einzuschätzen, eine Fertigkeit, die einen vor so mancher bösen Überraschung auf längeren oder schwierigeren Touren bewahren kann.

 

Wichtig ist vorerst einmal, die korrekte eigene Position zu kennen.

Karten sind normalerweise so gezeichnet, dass die Himmelsrichtung Norden am oberen Rand liegt. Demzufolge befindet sich in der Daraufschau also links Westen, rechts Osten und an der, dem Benutzer der Karte zugewandten Seite Süden. Man sollte sich zur Gewohnheit machen, die Wanderkarte an der Wirklichkeit auszurichten, das heißt, man legt sie so, dass die Lage markanter Punkte (Berggipfel, Kirchtürme, Seen, Straßen etc.) auf der Karte und in der Natur übereinstimmen. Sollten keine markanten Punkte auszumachen sein, kann man die Karte natürlich auch nach den Himmelsrichtungen selbst ausrichten. Entweder man hat ohnehin einen Kompass (die Versionen mit Visiereinrichtung zum genaueren Messen nennt man übrigens Bussole) bei der Hand oder bestimmt die Himmelsrichtungen auf andere Art und Weise. Eine Möglichkeit ist folgende:

Man richtet den Stundenzeiger einer (analogen, waagerecht gehaltenen) Armbanduhr auf die Sonne und halbiert den Winkel zwischen dieser und der Zahl 12. Dort liegt Süden – unter Umständen muss man allerdings eine sommerzeitbedingte Abweichung einberechnen. Wenn man nun die Wanderkarte ausrichtet (man nennt das „Einnorden“), kann man wahrscheinlich mit ein wenig Beobachtungsgabe und Vergleichen der Landschaft schnell die eigene Position ermitteln.

Mit Hilfe eines Kompasses geht dieses Einnorden natürlich noch schneller und exakter.

 

Eine Gerade vom momentanen Standort zum Ziel steht in einem bestimmten Winkel zur Nord-Süd-Linie (welche auch durch den eigenen Standort verläuft). Diesen Winkel bezeichnet man als Marschzahl. Sie kann zwischen 0 oder 360 Grad (beides wäre die Himmelsrichtung Norden) betragen. Wandert man nun von einem markanten Punkt auf dieser Geraden zum nächsten, erreicht man irgendwann – genaues Messen vorausgesetzt - das angepeilte Ziel.

 

Mit einer guten Karte in Kombination mit einer korrekten und ausführlichen Wegbeschreibung braucht man diese Art der Orientierung allerdings nur in Zweifelsfällen. Meistens genügt es, sich an die Vorgaben der Organisatoren zu halten und sich so von Checkpoint zu Checkpoint vorzuarbeiten. Ist man allerdings auf eigene Faust (vielleicht noch dazu in nicht oder wenig erschlossenem Gelände) unterwegs, kann das exakte Folgen der Marschzahl über Erfolg oder Scheitern einer Tour entscheiden. Am besten wandert man hierzu von einem markanten Punkt auf dieser gedachten Linie zum nächsten, so kann man eventuelle Hindernisse im Gelände auch umgehen, ohne gleich weit vom Weg abzukommen.

Die Länge einer Wanderung ist mit ein wenig Übung anhand des jeweiligen Maßstabs – also dem Größenverhältnis der Karte zur Realität - recht einfach zu ermitteln:

Für Wanderungen werden zumeist Karten im Maßstab 1:25 000 oder 1:50 000 verwendet. Das bedeutet im ersten Fall, dass ein Zentimeter auf der Karte 25 000 Zentimetern (also 250 Metern) in der Natur entspricht. Vier Zentimeter auf der Karte sind also ein Kilometer im Gelände. Im zweiten Fall entsprechen zwei Zentimeter auf der Karte einem Kilometer in der Landschaft.

Kennt man nun seine durchschnittliche Geh- oder Laufgeschwindigkeit (im Hinblick auf das jeweilige Gelände), kann man recht einfach die zu erwartende Dauer der Tour errechnen. Allerdings muss man dafür schon ein wenig Erfahrung auf Wanderungen gesammelt haben, deshalb noch einmal mein Tipp von vorher: auf kleineren Touren üben und damit automatisieren, was man später auf größeren Wanderungen anwenden will!

Falls man seine Gehgeschwindigkeit noch nicht einschätzen kann, hilft folgendes Experiment:

Man geht – mit gepacktem Rucksack und der Ausrüstung, die man auf der geplanten Tour auch dabei hätte – eine Strecke, deren Länge man genau kennt (indem man sie zum Beispiel zuvor mit Hilfe des Fahrradtachos gemessen hat). Um halbwegs aussagekräftige Daten zu erhalten, sollte diese Probestrecke aber zumindest zehn Kilometer lang sein. Aufgrund der benötigten Zeit kann man so einfach auf die Gehgeschwindigkeit in km/h schließen.

 

Möchte man sich eine Vorstellung von den An- und Abstiegen machen, die einen im Verlauf einer gewissen Route erwarten – was für die Dauer der Tour ebenfalls ein immens wichtiger Faktor ist -, muss man aber noch mehr Details der Karte berücksichtigen. Die Darstellung erfolgt bei üblichen Wanderkarten immer in Aufsicht (also direkt von oben, quasi in der Vogelperspektive). Das Relief der Landschaft wird durch Höhenschichtlinien und durch farbige Schattierungen dargestellt. Dadurch lässt sich mit ein bisschen Erfahrung und Phantasie eine gute Einschätzung der Steigungen erreichen. Diese Linien verbinden imaginäre Punkte gleicher Höhe und hätten im Gelände immer den gleichen Abstand zueinander. Das bedeutet demzufolge, dass auf der Karte eng nebeneinander liegende Linien steiles Gelände anzeigen und große Abstände zwischen den Linien auf geringe Steigung (bzw. Gefälle) oder flaches Gelände hindeuten. Dieser Umstand kann für die Planung von Pausen, aber auch – wie bereits erwähnt – für die Einschätzung der voraussichtlichen Gehzeit genutzt werden.

 

Bei längeren Distanzen ist es erfahrungsgemäß günstig, sich schon vor der Tour Prüfpunkte zu überlegen. Das sind einfach zu erkennende Geländepunkte oder Gebäude (wie Gipfel, Kapellen, Brücken oder Seen). Man legt am besten bereits zu Hause einige solcher Punkte fest und berechnet, wann man etwa dort ankommen sollte. Auf diese Weise merkt man unterwegs schnell, wenn man zu langsam ist und kann dementsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen: etwa die Gehgeschwindigkeit erhöhen, weniger oder kürzere Pausen machen oder im Fall des Falles eine (vorher zurechtgelegte) Abkürzung nehmen.

 

 

Natürlich gibt es eine ganze Menge Faustregeln für die Ermittlung der Tourdauer im Hinblick auf das Gelände (zum Beispiel Höhenmeter in Wegkilometer im Flachen umzurechnen usw.) diese gehen aber immer von einem imaginären Durchschnittswanderer aus, den es meiner Erfahrung nach – vor allem im Dogtrekking-Bereich - nicht gibt, darum werde ich sie hier auch unerwähnt lassen. Ich möchte an dieser Stelle einfach jeden Anfänger in dieser Outdoor-Sportart auffordern, bei sukzessive gesteigerten Touren eigene Erfahrungen zu machen. Zu unterschiedlich sind die Geschwindigkeiten zwischen Trekkern und Läufern verschiedenster Trainingsniveaus: Wenn der eine vielleicht bereits am Nachmittag den Biwakplatz erreicht, wird ein anderer erst weit nach Mitternacht dort eintreffen.