Gleich vorweg: Es macht Spaß, Dogtrekkings zu organisieren. Die Freude der Teilnehmer an einer schönen Veranstaltung entschädigt für den oft nicht geringen Aufwand, den man treiben, und die Schwierigkeiten, die man überwinden muss. Man fährt oft Hunderte an Kilometern mit dem Auto, vertelefoniert sicher eine ganze Menge Zeit und hat viel Schreibarbeit, aber es lohnt sich wirklich. Spätestens, wenn man (eventuell auch erst im Nachhinein) erfährt, dass die Dogtrekker ein schönes Wochenende verbracht haben, weiß man, dass man irgendetwas richtig gemacht haben muss. Selbstverständlich kann man es aber auch nicht allen recht machen: Dem einen ist der Asphaltanteil des Trails zu hoch gewesen, dem anderen sind zu wenige Checkpoints direkt bei Gaststätten gelegen, wieder ein anderer hätte gerne die Abschlussveranstaltung früher angesetzt gehabt, da er dringend weg muss. Wenn man sich als Organisator aber in Erinnerung ruft, dass es praktisch unmöglich ist, jedermann alles recht zu machen, geht man schon ein wenig entspannter an die Sache heran – aber dies ist ein Lernprozess, der unter Umständen einige Veranstaltungen braucht, bis man ihn verinnerlicht hat.

 

Am Anfang jeder Veranstaltung steht eine Idee, meist die, eine bestimmte Gegend, die man selbst gut kennt und/oder mag, dogtrekkingmäßig zu erschließen. Immerhin will man seine Entdeckung (manchmal auch seine Heimat) ja gerne Gleichgesinnten präsentieren.

 

Es folgen dann für gewöhnlich ein, zwei oder mehr Stunden, während derer man sich mit Kartenmaterial in einen ruhigen Winkel verzieht und ein wenig gustiert: Ausgangs- und Endpunkt, Wegverlauf, Labestationen und Checkpoints, all das wird zu einer ersten gedanklichen Version eines noch durchzuführenden Dogtrekkings zusammengestellt.

Anschließend geht es ans Konkretisieren der ersten Ideen:

 

Der Trail:

Bei nicht allzu extremen Höhenmeterverhältnissen sollte ein Doghike (also eine eintägige Veranstaltung) etwa 40 Kilometer Wegstrecke aufweisen, ein Dogtrekking (die zweitägige Version) sollte doppelt so lang sein. Natürlich darf es auch mehr sein. Im Idealfall sind beide Tagesetappen etwa gleich lang.

Um aufwändige Aktionen wie Shuttledienste etc. zu vermeiden, ist ein Rundkurs notwendig. Aus Sicht des Organisators hat sich auch die Form einer Acht bewährt, bei der man nach etwa der Hälfte der Strecke wieder im Camp vorbeikommt, wo entweder genächtigt werden kann (quasi die Luxusversion, die bei wirklich ursprünglich organisierten Dogtrekkings allerdings nicht gern gesehen wird) oder zumindest kurz verschnauft werden kann. Die Gefahr bei dieser Variante ist allerdings, dass sie doch viele Teilnehmer verleitet, an dieser Stelle abzubrechen. Man braucht schon einen starken Willen, um sich aus dem gemütlichen Camp wieder in die Wildnis hinauszubegeben und noch einmal 40 bis 50 Kilometer zurückzulegen.

Diese Form der Streckenführung (und damit auch die eben erwähnte motivatorische Herausforderung) erlebte ich erstmals beim tschechischen „Krusnohorsky Dogtrekking“ im April 2008. Mein Sohn Christopher und ich waren bereits den ganzen ersten Tag des Rennens gemeinsam unterwegs gewesen und wussten, dass wir ziemlich genau bei Kilometer 50 am Camp vorbeikommen würden. Dort könnten wir unsere Wasservorräte wieder auffüllen, die Hunde versorgen, vielleicht selbst etwas essen, eventuell aber auch abbrechen (der letzte Gedanke wurde allerdings konsequent beiseite geschoben). Unseren Vierbeinern ging es hervorragend, sie trotteten gelassen voraus und schienen nach wie vor diesen „Spaziergang“ zu genießen. Kurz vor dem Eintreffen im Camp rief ich Mario Formanek, den wir im Verlauf der letzten Stunden aus den Augen verloren hatten, an, um zu erfahren, ob wir mit dem Abendessen auf ihn warten sollten oder nicht. Er gab an, nicht allzu weit hinter uns zu sein (was sich als kleiner Irrtum herausstellte), aber wir sollten ruhig schon beginnen. Christopher und ich fütterten die Hunde, füllten unsere Wasservorräte auf, wuschen uns und setzten uns ins Campingplatzrestaurant. Kurz darauf trafen auch Kai Thurau und Mario ein – wir konnten also doch noch gemeinsam zu Abend essen.

Im Verlauf der Mahlzeit beschlossen die beiden aber, das Rennen zu beenden, was für Christopher und mich allerdings nicht in Frage kam. Wir waren sogar so aberwitzig (mit gefülltem Bauch und nach etwas ruhigem Sitzen wird man scheinbar automatisch größenwahnsinnig), die Nacht durchgehen zu wollen. Um es kurz zu machen: Nur einige Kilometer weiter biwakierten wir in einem ruhigen, tiefschwarzen Waldstück – hatten aber nicht abgebrochen!

Etwas anderes, das einem zusetzen kann, ist die Trailbeschaffenheit. Die Strecke sollte so wenig wie möglich auf befahrenen Straßen oder Asphaltwegen geführt werden. Auch wenn es zur Schonung der Gelenke natürlich möglich ist, das Bankett zu benutzen, so ist Autoverkehr für viele Hunde doch ein Stressfaktor, der vermeidbar ist. Leider sind aber – zumindest hier in Österreich – viele (vor allem überregionale) Wanderwege zu großen Teilen mit Straßen ident.

 

Nicht vergessen darf man auch, sich mit der Gemeinde, in der das Dogtrekking stattfinden soll, in Verbindung zu setzen. Auch rate ich dringend dazu, die zuständige Forstbehörde bzw. die Jägerschaft über die Veranstaltung aufzuklären. Zwar habe ich bisher nur positive Reaktionen von offizieller Seite erlebt, um aber Schwierigkeiten zu vermeiden, ist eine Meldung der Veranstaltung unbedingt anzuraten. Am wenigsten Probleme gibt es, wenn offizielle, markierte Wanderwege begangen werden, wenn nicht, sind natürlich auch die betreffenden Grundbesitzer um Erlaubnis zu fragen. Von Försterseite her sind oftmals Auflagen bezüglich der Zeiten, in denen man im Wald unterwegs sein darf, zu beachten, auch sollte man Wildrückzugsgebiete umgehen. Tierschutz ist aber ohnehin jedem Veranstalter eines Dogtrekkings ein Anliegen, also dürften hier keine großen Differenzen entstehen. Sollte es sich um ein Dogtrekking-Rennen handeln, muss auch der zuständige Amtstierarzt verständigt und dessen Auflagen eingehalten werden. Ein wichtiger Punkt hierbei ist, dass laut Reglement während der gesamten Veranstaltung (auf dem Trail und im Camp) absolute Leinenpflicht herrscht; dies nimmt übrigens auch vielen Zuständigen die größten Bedenken und Einwände.

Das Camp:

Dieses ist Ausgangs- und Endpunkt der Veranstaltung und sollte neben der Stellmöglichkeit für Fahrzeuge und Zelte zumindest einfache hygienische Voraussetzungen bieten. Ideal ist auch eine nahe liegende Gastwirtschaft, in der die Präsentation und die Abschlussveranstaltung stattfinden können. Bei Schönwetter ist es allerdings stimmungsvoller, diese im Freien abzuhalten, vielleicht sogar an einem Lagerfeuer. Sollte ein Campingplatz zur Auswahl stehen, empfehle ich im Vorfeld unbedingt abzuklären, ob Hunde auch erlaubt sind (und wenn, unter welchen Bedingungen). Außerdem würde ich die Teilnehmer die Stellgebühren individuell begleichen lassen – meiner Erfahrung nach ist das den Campingplatzbetreibern meist lieber, für den Organisator der Veranstaltung weniger Aufwand und beugt Missverständnissen vor.

Wichtig ist auf alle Fälle, das Camp zu einem Ort zu machen, wo gerne zusammengekommen wird, wo genug Gemütlichkeit für Gespräche aufkommen kann und wohin man nach einer anstrengenden Tour durch unbekanntes Terrain gerne wieder zurückkommt – ansonsten hat man hierbei wirklich freie Hand bei der Auswahl eines geeigneten Platzes. Beim mittlerweile traditionellen „Nordland Doghike“ besteht das Camp lediglich aus einer großen Wiese vor dem „ReKa“-Schlittenhunde-Kennel von Reinhard Monschein. Chemie-Camping-WCs und eine Gartenschlauchdusche sind die einzige Hygiene-Ausstattung und außer einer großen Plane oder einem Gemeinschaftszelt für wettertechnische Notfälle spielt sich das gesamte Geschehen unter freiem Himmel ab – aber das ist Dogtrekking in Reinkultur, was von den Teilnehmern auch sehr begrüßt wird. Der Gemütlichkeit haben diese einfachen Bedingungen bisher keinerlei Abbruch getan, wahrscheinlich sogar eher im Gegenteil.

 

Bald folgt dann mindestens eine Probebegehung der geplanten Route.

In Vorbereitung dieser kann man bereits nach der Karte eine erste Version der Wegbeschreibung erstellt haben und diese dann nur mehr ergänzen beziehungsweise nach der Natur redigieren. Möglich ist natürlich auch, die Wegbeschreibung erst bei oder nach der Probebegehung zu verfassen, was allerdings unterwegs sehr aufhalten kann.

Unter den bisherigen Organisatoren hat sich der Brauch ergeben, einen ortsunkundigen Mitorganisator nach einer Erstfassung des Textes gehen zu lassen, um zu sehen, wo eventuelle Unklarheiten auftauchen könnten. Ideal bei jeder Probebegehung ist natürlich, ein GPS-Gerät mitzuführen, um die genaue Streckenlänge und die Höhenmeter der Tour zu kennen. Diese müssen (und sollen) auch gar nicht vorab bekanntgegeben werden, erst bei der Präsentation vor Beginn werden hierzu genauere Angaben gemacht. Dogtrekking ist keine All-inclusive-Reiseleiter-Veranstaltung, sondern sollte sich durchaus eine abenteuerliche Komponente bewahren.

Je nach Gelände ist es natürlich auch möglich, eine Probebegehung per Fahrrad zu machen, was weniger zeitintensiv ist, aber unter Umständen ein wenig über die tatsächlichen Anforderungen, die an die Teilnehmer gestellt werden, hinwegtäuschen kann. Auch ist es auf diese Art und Weise schwer möglich, in Hundebegleitung unterwegs zu sein, was ja auch eine (gar nicht unwichtige) Komponente der Vorbereitung sein sollte.

Die Informationen, die im Verlauf einer Probebegehung gesammelt werden können, helfen, den Trail so anzupassen, dass er zum Charakter der geplanten Veranstaltung passt: Soll es eine eintägige, geländetechnisch einfache Tour für Einsteiger sein? Soll der Schwerpunkt in der körperlichen Herausforderung durch eine große Streckenlänge liegen? Steht bei dem von mir gewählten Trail die Zusammenarbeit Mensch-Hund durch das Bewältigen schwieriger Passagen im Vordergrund? Je nach Gewichtung muss auf die Länge und Zusammensetzung des Trails Rücksicht genommen werden. Nicht erst einmal korrigierten wir als Organisatoren bereits mit Hilfe der Karte gewählte Strecken, um eine Veranstaltung nach unseren Vorstellungen zu gewährleisten.

 

Doch Vorsicht! Man macht auch etwas falsch, wenn man nur mehr auf Probebegehungen unterwegs ist, keine privaten Touren plant oder selbst an Dogtrekking-Rennen teilnimmt – Betriebsblindheit sollte sich bei einem Organisator von Dogtrekking-Veranstaltungen nicht einschleichen. Deshalb versuche ich auch, regelmäßig an Veranstaltungen im Ausland teilzunehmen. Gute Anregungen finden sich dort immer wieder.

Die nächste Aufgabe liegt dann in der Erstellung einer Ausschreibung.

Diese enthält alle wichtigen Informationen wie den veranstaltenden Verein oder den verantwortlichen Organisator, Ort und Termin, eine kurze Charakteristik der Strecke, die Kosten, tierschutzrelevante Vorgaben (z.B. das Mindestalter der teilnehmenden Hunde), Pflichtausrüstung sowie ein Hinweis, dass die Teilnahme auf eigene Gefahr stattfindet.

Abschließend folgt natürlich die Erklärung, wie man sich anmelden kann (etwa unter Angabe einer E-Mail-Adresse, telefonisch oder postalisch). Falls die Startgebühr - die vorrangig den finanziellen Aufwand der Vorbereitungsarbeit abzudecken hat - vorab auf ein Konto überwiesen werden soll, sind natürlich auch die relevanten Kontoangaben notwendig.

Selbstverständlich können noch weitere Informationen (etwa zum Ablauf der Veranstaltung) und Fotos von einer Probebegehung in die Ausschreibung integriert werden, aber dies ist selbstverständlich einerseits eine Geschmacks-, andererseits eine Platzfrage.

Um die künftige Veranstaltung zu bewerben, bietet sich natürlich das Internet – beispielsweise die Website www.dogtrekking.at, aber auch diverse Diskussionsforen – an, man kann aber auch ganz gezielt Interessenten aus dem eigenen Bekanntenkreis ansprechen. Wandervereine, Hundeclubs und Laufsportvereine usw. können angeschrieben werden, der Fantasie des ambitionierten Werbers sind hierbei kaum Grenzen gesetzt.

 

Wenn das alles erledigt ist, folgt die Detailarbeit:

Das Ansprechen von möglichen Sponsoren, das Erstellen von Startlisten, Urkunden, die Überlegung, ob Verpflegung an Checkpoints oder im Camp in der Startgebühr enthalten sein soll (und natürlich, wer diese vorbereitet und ausgibt etc.). Weiters muss das benötigte Material aufgetrieben bzw. auf Funktionstüchtigkeit kontrolliert werden.

Letzten Endes hat es sich auch bewährt, eine klare Aufgabenzuteilung unter den Organisatoren zu vereinbaren, damit jeder weiß, was zu tun ist und wer Ansprechpartner bei eventuell auftretenden Unsicherheiten ist.

 

Wenn man sich selbst an das Organisieren eines Dogtrekkings macht, tauchen wahrscheinlich noch zahlreiche Fragen auf, die in den vorangegangenen Absätzen nicht angesprochen wurden, aber gerade das individuelle Lösen von Herausforderungen macht die eigene Veranstaltung unverwechselbar. Sofern der prinzipielle Aufbau eines Dogtrekkings (siehe betreffendes Kapitel) beachtet wird, besteht aber nicht die Gefahr, etwas Grundlegendes falsch zu machen.

 

Es wäre schön, wenn durch diese Zeilen der eine oder andere Leser Lust bekäme, eine eigene Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Wie gesagt, unter den auf www.dogtrekking.at veröffentlichten Kontaktadressen gibt es jederzeit gerne Unterstützung bei einem solchen Vorhaben.