Prinzipiell ist es so: Viele Hundebesitzer sehen glücklicherweise die Notwendigkeit, ihr Tier artgerecht zu bewegen, mit ihm gemeinsam Abenteuer zu erleben und die Freizeit sinnvoll und gesund zu nutzen. Genau diese Anliegen werden beim Dogtrekking ideal erfüllt.

Wandertouren mit Hundebegleitung sind allgemein verbreitet, viele Menschen nehmen ihren vierbeinigen Liebling auf diverse kleine und größere Touren mit. Selten allerdings bekommt ein Hund dabei wirklich eine Aufgabe (zum Beispiel Zugarbeit zu leisten oder Gepäck zu tragen), oft laufen die Tiere frei, Teamarbeit zwischen Mensch und Hund ist also nicht unbedingt nötig, oftmals sogar gar nicht erwünscht - ganz nach dem Motto „Das arme Hunderl braucht doch Freiraum!“.

 

Oft wird hierbei vergessen, dass die Domestikation des Hundes zwei Gründe hatte: einerseits der Einsatz als Nahrungsquelle (die ältesten Funde von Hundeknochen in urzeitlichen Abfallgruben zwischen anderen Speiseresten deuten darauf hin) andererseits als Helfer bei der Jagd und beim Lastentransport. Beim Dogtrekking ist dieses Verhältnis ähnlich ursprünglich, auch wenn unsere Vierbeiner heute in der Regel nicht mehr als Wanderproviant Verwendung finden: Hier wird der Hund als Teampartner betrachtet, der hilft, schwierige oder Kräfte raubende Abschnitte problemloser zu passieren und – wie bereits erwähnt – manchmal auch Gepäck zu tragen. Die Zusammenarbeit zwischen Zwei- und Vierbeiner funktioniert auf der Basis von Kommandos und Zugarbeit ermöglichender Ausrüstung.

 

Letzten Endes gibt es beim Freilauf auch eine selten beachtete Gefahr: „Zivilisationshunde“ überschätzen sich auf Wandertouren sehr gerne, laufen auf und ab, hin und her und geben dann entweder vorzeitig aus konditionellen Gründen auf oder – was noch viel wahrscheinlicher ist – haben wund geriebene Pfoten, da sie die Kilometerleistung und die eventuell rauen Untergründe (Fels, Schotter, Eis) nicht gewohnt sind. Dieses Verhalten ist aus ihrer Sicht auch durchaus logisch, da sie im Alltag oft nur wenig Bewegung machen und nun meinen, ihren großen Bewegungsbedarf in kurzer Zeit befriedigen zu müssen – sie wissen ja nicht, dass dieser „Spaziergang“ länger dauert als üblich. Hunde planen nicht großartig voraus und tun sich auch beim Lesen von Wanderkarten oder dem Auswerten von GPS-Daten schwer, sonst würden sie sich deutlich anders verhalten.

Als gutes Beispiel hierfür können die zwei Siberian Huskies eines mir bekannten tschechischen Ultramarathonläufers und Dogtrekkers herhalten, die man meist liegenderweise sieht, wenn sie nicht gerade mit ihrem Herrchen unterwegs sind. Die beiden Hunde wissen, dass sie sich ihre Kräfte einteilen müssen, da ein großer Anteil des Tages in Bewegung verbracht wird.

Ein unter weniger sportlichen Bedingungen gehaltener Vierbeiner versucht demnach gemäß seinen Erfahrungen die – im Verhältnis kurze - Bewegungszeit optimal zu nutzen. Aus den genannten Gründen halte ich es deshalb für humaner, den Vierbeiner (durch Verwendung einer geeigneten Leine und eines guten Brustgeschirrs) dazu anzuhalten, sich seine Ressourcen einzuteilen und seine Kräfte in nützliche Bahnen zu lenken.

Eben genau diese Bereitschaft, nämlich dem Hund eine Aufgabe zu übertragen, ihn nicht als Spielzeug oder Familienmitglied, sondern als ernstzunehmenden (Sport-)Partner zu sehen, unterscheidet meines Erachtens nach den „Dogtrekker“ vom „Wanderer mit Hund“.

 

Vom individuellen Gehen von selbst geplanten Touren, angepasst an die eigenen Leistungsgrenzen und landschaftlichen Vorlieben einmal abgesehen, hat Dogtrekking von Beginn an auch eine leistungssportliche Seite gehabt, entwickelt von Menschen, die großteils aus der Schlittenhundesportszene Tschechiens kommen und so manche Dogtrekking-Veranstaltung manchmal noch immer in Verbindung mit Schlittenhundesportevents (z.B. als gemeinsame Cupwertung) organisieren.

 

Die Vorgaben dabei sind denkbar einfach und setzen sich aus folgenden Punkten zusammen:

l        Eine 80 bis 120 Kilometer lange Strecke in mehr oder minder abgeschiedenen Gegenden.

l        Eine gewisse Anzahl von zu passierenden, bemannten und/oder unbemannten Checkpoints.

l        Eine Pflichtausrüstung, bestehend aus den für Sicherheit und Wohlergehen des Mensch-Hund-Teams notwendigsten Gegenständen.

l        Eventuell einen vorgegebenen Platz für die Übernachtung (Pflichtbiwak genannt).

l        Und zwei Tage Zeit.

 

Im Umkehrschluss gibt es deshalb auch:

l        Keine komplizierten Regeln.

l        Keine omnipräsenten Schiedsrichter.

l        Allerdings auch kein Netz oder doppelten Boden.

l        Keine Rücksicht auf ungünstige Wetterverhältnisse (außer sie gefährden eindeutig die Sicherheit der Teams).

l        Hauptsächlich in Selbstverantwortung zu meisternde Herausforderungen.

 

Wen eine Rennveranstaltung unter diesen Umständen reizt, der ist deutlich gefährdet, vom Dogtrekking-Virus angesteckt zu werden.

Wie aber konnte dieser überhaupt ausbrechen?

Im Jahre 2000 fand in der Tschechischen Republik das erste offizielle Dogtrekking-Rennen statt. Es war eine kleine Veranstaltung mit nur einer Handvoll Teilnehmer, eine Veranstaltung, die aber der Startschuss für eine explosionsartige Entwicklung dieser Sportart war: Mittlerweile sind weit über 100 startende Mensch-Hund-Teams pro Dogtrekking keine Seltenheit mehr.

 

Diese Tatsache schreckt nun vielleicht den einen oder anderen Individualisten ab, dessen Bestreben es ist, als einsamer Cowboy, alleine auf sich gestellt, nur von seinem Hund begleitet, selbst geplante Touren zu gehen.

 

Auch ich war anfangs skeptisch: Weitwandern auf Zeit und gegen andere Teams? Konnte das denn für mich alten Eigenbrötler überhaupt interessant sein? Aus Neugier und auf Zureden eines Freundes nahm ich an einer Veranstaltung im Norden Tschechiens teil und war sehr überrascht, denn viele meiner Vorstellungen – oder sollte ich besser Vorurteile sagen? - bewahrheiteten sich nicht, ganz im Gegenteil: Obwohl es sich um eines der größten Dogtrekking-Events des betreffenden Jahres handelte, herrschte eine freundschaftliche, ja fast familiäre Atmosphäre unter den Teilnehmern. Der Renncharakter konnte problemlos ausgeblendet werden, wenn man das wollte. Wer sich allerdings gerne mit anderen Sportlern maß, hatte dazu zwei Tage lang ausreichend Gelegenheit.

An den letzten Sätzen merkt man vielleicht, dass sich die große Gemeinde der Dogtrekker in zwei Gruppen mit verschiedenen Philosophien teilt:

Auf der einen Seite stehen die ursprünglichen Trekker, die den Umstand, an einem Rennen teilzunehmen, geflissentlich ignorieren. Sie genießen die Schönheiten der Landschaft, kehren mehr oder minder häufig in Gaststätten am Weg ein und kosten sich dabei durch die regionalen Spezialitäten. Sie fotografieren viel (und oftmals wirklich gut) und verbringen so zwei sportlich durchaus fordernde, aber hektikfreie Tage mit ihren Hunden.

Die zweite Gruppe ist die der Läufer. Diese achten auf möglichst geringes Gewicht und Packmaß der Ausrüstung, laufen mit ihrem Hund quasi einen Ultramarathon im Gelände und haben einfach Freude daran, ihre und die Bestmarken anderer Sportler in Zusammenarbeit mit ihren Vierbeinern zeitlich zu unterbieten.

 

Beide Gruppen koexistieren  in der Sportart Dogtrekking großteils friedlich, auch wenn die eine oder andere Grundsatzdiskussion natürlich nicht ganz zu vermeiden ist. Selbstverständlich sind aber diese beiden Sportlertypen nur die entgegengesetzten Enden eines Spektrums, das auch verschiedene Mischformen zulässt. Es gibt extrem schnelle Trekker, die keinen einzigen Schritt laufen und trotzdem oft weit vorne in der Ergebnisliste zu finden sind. Ebenso existieren auch diverse Taktiken, die – je nach Geländetyp, Länge und Organisationsform der Veranstaltung – eine Kombination von Laufen und Gehen beinhalten. Dazu aber in einem späteren Kapitel noch mehr.